Yvonne Jelting
Diplom-Dokumentarin

Erfrischend frech & kompetent

Die Veranstaltung in der Volkshochschule Stuttgart am Donnerstag Abend (26. November 2020) machte sehr deutlich wer ins Stuttgarter Rathaus gehört. Das Kursangebot hätte auch lauten können: “Wie werde ich Oberbürgermeister?” mit drei Kandiaten, die auf den ersten Blick alle mit den gleichen Themen punkten wollen und nicht zu unterscheiden sind. Für mich ist es aber keine Option, wenn einer immer erst eine Kniebeuge macht, bevor er eine Frage beantwortet und ebensowenig einer, der zwar frisch gebügelt und gut frisiert daher kommt, aber bei dem die Gemeinderatssitzungen staubtrocken und langweilig wie in einer Statistikvorlesung sein werden. Herr Nopper und Herr Schreier haben zwar die Antworten zu ihren Wahlkampfslogans gut auswendig gelernt, aber es fehlt ihnen an dem gewissen Etwas und dem Herzblut für eine Stadt zu brennen. Außerdem wurde Stuttgart nicht als Endlager für ausgediente Bürgermeister ausgewiesen, die in ihrem bisherigen Amt nicht das umsetzen was sie im Wahlkampf bewerben.

Nur bei Hannes wurde deutlich, dass er auch lebt, was er sagt und es nicht nur Phrasen sind, die mit einem Coach einstudiert wurden. Es war zu spüren, dass es ihm um die Stadt und die Menschen geht, die in ihr wohnen, arbeiten und ihre Freizeit verbringen. Die Straße und die 16 Jahre im Gemeinderat sind die besten Lehrmeister um Stuttgart und die Stadtverwaltung in und auswendig zu kennen und um zu wissen, was sowohl für die Einwohner wie auch für die Stadt wichtig ist, damit sie sich zu einem lebenswerten Ort entwickeln kann. In Sache Klimaschutz, Mobilität und Vereinbarkeit von Wohnen und Arbeiten hängt Stuttgart seit Jahrzehnten hinterher. Ressourcensparendes und energiearmes Bauen bleibt bislang ein Fremdwort und obwohl die Rohstoffe bereits vor Ort wachsen, werden die Hochhäuser in Stuttgart immer noch in Beton gegossen anstatt sie in Holzbauweise zu errichten. In der Wohnungspolitik wird sich auch nichts ändern, so lange Immobilien weiterhin nur als Wertanlage betrachtet werden. Vor 16 Jahren habe ich in Kopenhagen gewohnt und kann die Entwicklung beider Städte gut miteinander vergleichen. Wenn Stuttgart nicht weiterhin die größte Provinzstadt mit autogerechten Minderwertskomplexen bleiben möchte, dann muss ein Umdenken, Handeln und eine Wende her.

Hannes wird mir zwar den Wunsch nicht erfüllen können, dass Stuttgart an die Küste verlegt und wie die Stadt Kopenhagen am Meer liegt, aber frischen Wind ins Rathaus bringen, dass kann er. Und er hat genug Standfestigkeit, wenn der Wind mal rauer wird. Mit ihm als Oberbürgermeister würde endlich mehr Dynamik, Spontanität, Lebendigkeit und Humor in die Stadt(verwaltung) einziehen und Stuttgart würde als wichtiger grün-blauer Punkt einen Platz auf der Weltkarte einnehmen.


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